24.01.2006:

Jahresempfang des HdH

Mozart- Jahr 2006: Der geniale Komponist und Interpret – seinerzeit ein Wunderkind – war präsent in seiner musikalischen Unsterblichkeit im Haus der Heimat durch seine drei Stücke „Marche in As-Dur“, „Menuetto in B- Dur“ und „Adagio in C- Dur“, dargeboten von zwei jungen Künstlern, die erst seit einigen Monaten in Deutschland studieren: An der Tuba: Csaba Jónucz, Sathmarer Schwabe und am Klavier Eri Kuroda aus Japan.

In seiner Begrüßung hob der Vorsitzende des Hauses der Heimat Horst Göbbel hervor: „Mozarts Musik wirkt verbindend, friedensstiftend. Was in diesem Haus täglich geschieht, ist auch verbindend und friedensstiftend. Über Grenzen hinweg: über musikalische Grenzen, sprachliche und geografische Grenzen hinweg. Daran wollen wir festhalten, positive Erfahrungen weiterführen und ausbauen.“

Herzlich willkommen hieß der Vorsitzende zahlreiche Ehrengäste, unter ihnen diejenigen, die Ehrenämter bekleiden oder Leiter und Mitarbeiter von Institutionen, die mit dem Haus der Heimat zusammen arbeiten. Darunter besonders den Bezirkstagspräsidenten Richard Bartsch und den Bürgermeister Dr. Klemens Gsell, der in Vertretung des Oberbürgermeisters Dr. Ulrich Maly dabei war. Beide fanden in ihren frei gesprochenen Grußworten sehr freundliche Worte, mit denen sie der Arbeit im Haus der Heimat und dem Engagement der vielen Ehrenamtlichen dieses Vereins deutlich Anerkennung zollten. Die beiden aus dem Bayerischen Sozialministerium angereisten Damen Sandra Schmidbauer und Frau Krämer-Seidl konnten später bei der Besichtigung des Hauses in Begleitung der Geschäftsleiterin die Vielfalt der Unternehmungen dieses Hauses auch anhand von konkreten Beispielen erfassen und waren beeindruckt, wie viel man in dem relativ kleinen Haus alles machen kann.

Ein kultureller Schwerpunkt des Abends wurde die Buchvorstellung von Dipl. Ing. Joachim Lukas, Vorsitzender der LM Schlesien, Bezirk Mittelfranken und Stellv. Vorsitzender im HdH. Er präsentierte den Band mit dem Titel „Breslauer Schulen – Geschichte und Architektur“, ursprünglich ein polnisches Buch, das im Zusammenhang mit der gleichnamigen Ausstellung im Architekturmuseum in Breslau kürzlich herausgegeben wurde. Es beschäftigt sich in 25 Aufsätzen polnischer und deutscher Autoren in der Hauptsache mit dem schulischen Bildungswesen in Breslau im 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. So wird die Geschichte einiger Schulen beschrieben, vom jüdischen Schulwesen in Breslau oder von der Pädagogik dieser Zeit berichtet. Im zweiten Teil wird dann die Architektur des Schulbaues aus dieser Epoche anhand verschiedener Beispiele untersucht und bewertet. Für die deutsche Ausgabe bedurfte es noch einiger Redaktionsarbeit, Übersetzungen, zahlreicher Fahrten u.a.m. „Sie werden vielleicht verstehen, dass ich heute mit ein wenig Stolz aber mehr noch mit Zufriedenheit dieses Buch vorstelle“, sagte Joachim Lukas und fügte hinzu: „Da ist zum einen die Idee des Architekturmuseums in Breslau, dass es sich der deutschen Geschichte, des Breslauer Schulwesens annahm und es dokumentierte. Hier zeichnet sich eine Entwicklung ab, die Mut macht. In zunehmendem Maße wird vor allem in Breslau die deutsche Geschichte wieder sichtbar gemacht, sei es durch Gedenktafeln oder wie hier durch Bücher oder Ausstellungen … Auch der Bürgermeister von Breslau bedient sich, wenn er deutsch spricht, des deutschen Namens dieser Stadt, nämlich Breslau“. Ein weiterer Punkt, der Lukas sehr zufrieden stimmte, war die vertrauensvolle und von jeglicher Ideologie befreite Zusammenarbeit mit seinen polnischen Partnern. Jeder konnte seine Auffassung frei und ohne Vorbehalte des anderen vortragen. Anregungen und Einwendungen von deutscher Seite seien gerne angenommen worden, zumal es sich oft um Dinge handelte, die nur diejenigen, die dort vor 1945 gelebt haben, wissen konnten. So habe sich hier ein fast freundschaftliches Verhältnis entwickelt, „in dem wir voll anerkannt werden und wenn Sie so wollen, als Brückenbauer in einem sehr sensiblen Verhältnis zwischen ehemaligen und heutigen Bewohnern dieser Stadt fungieren“, fasste Lukas zusammen. Dies ist ein herausragender Aspekt landsmannschaftlicher Arbeit, die sich nicht nur mit Forderungen an unsere Nachbarn wendet, sondern ganz pragmatisch versucht, zu einem vernünftigen Miteinander zu kommen, indem man sich der historischen Wahrheit stellt.

Anlässlich einer geplanten Stelle auf dem Gelände des HdH war im Vorstand des Vereins die dafür ausgewählte Inschrift „Dort verloren- hier wiedergefunden“ als Thema für den Vortrag des Vorsitzenden vorgeschlagen worden. Horst Göbbel spielte denn am Anfang auch mit den Begriffen: „Dort könnte Schlesien, die Wolga, Masuren, Galizien, das Banat oder Siebenbürgen sein. Hier könnte Deutschland, Bayern, Franken, Nürnberg sein.“ und fügte hinzu: „Das oft verdrängte Alte, das Vergangene, das Erinnernswerte von dort soll hier sichtbar gemacht werden. Dort verloren – kann all das bedeuten, was in den früheren, von Deutschen besiedelten Landschaften im Osten Europas bis hin in die Weiten Sibiriens den Menschen vertraut, den Menschen lieb war. Das alles gehört dort der Vergangenheit an, ist dort unwiederbringlich vorbei. Sich daran erinnern, soll jedoch keinesfalls Wehmut und Klage bedeuten. Der neue Aufbruch mit der neuen großen Koalition in Berlin, scheint uns ohnehin auch psychologisch gut zu tun. Er verstärkt notwendigen Optimismus. Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly sagte in diesem Zusammenhang am Neujahrsempfang der Stadt Nürnberg: Optimismus sei der Realismus der gutgelaunten Menschen.“ Diese gute Laune wünscht Göbbel für das ganze Jahr 2006. Dafür brauche man eine positive Einstellung zur gemeinsamen Sache der Aussiedler und Vertriebenen, ein bekennendes Tun, das beweist, dass man hier wahrlich angekommen sei. „Wir sind hier zu Hause und wollen dieses Gefühl möglichst weiter vermitteln. Sich zu erinnern, soll auch Impuls sein. Impuls für den Neubeginn hier, für den Neuaufbau von vertrauten Strukturen hier, Impuls für die Wahrnehmung aller Angebote zur menschenwürdigen Eingliederung hier, Impuls zum Bewusstsein, Vertrautes aus der früheren Heimat hier wieder gefunden zu haben.“

„Hier in einem Land, wo wir uns wieder gefunden haben“, ganz besonders auch im Haus der Heimat gab es anschließend ein gemütliches Beisammensein mit Spezialitäten, gebacken nach Rezepten der Sathmarer Schwaben. Und wieder flitzten die Ehrenamtlichen und Angestellten des Hauses, um den Gästen Wünsche von den Augen abzulesen. Sie tragen maßgeblich dazu bei, dass die Anwesenden im Haus der Heimat schnell heimisch werden.

Doris Hutter