Vortrag mit Dokumenten und Fotos: Auf den Spuren der eigenen Familiengeschichte

Am Donnerstag, den 22. Oktober, fand im Haus der Heimat in Langwasser-Süd in Nürnberg ein gut besuchter Vortrag zur Geschichte Oberschlesiens nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs statt. Rund 50 Zuhörerinnen und Zuhörer waren gekommen, um dem Referenten Dr. Matthias Kneip und seinen Berichten über Schlesien zu folgen.

Dr. Kneip, gebürtig aus Regensburg, promovierter Politikwissenschaftler und Polenexperte, widmete seinen Vortrag der Suche nach der eigenen Herkunft und den Folgen der politischen Situation nach 1945 für die verbliebenen Deutschen in Polen. Mit Bildern und Dokumenten rekonstruierte er seine eigene Auseinandersetzung mit der schlesischen Kultur und Sprache, stellvertretend für viele Familiengeschichten, in denen Vertreibung und nationale Zuschreibungen bis heute nachwirken.

In einem differenzierten und kenntnisreichen Vortrag zeichnete Kneip die komplexe Geschichte Schlesiens zwischen kultureller Abgrenzung, zerstörter Heimat und einem oft zerrissenen Gefühl von Zugehörigkeit. Er berichtete über die Folgen der Entdeutschung und Repolonisierung, von der Vertreibung vieler Menschen aus ihren angestammten Gebieten und der Rolle der sogenannten Autochthonen – der Einheimischen, die zwischen den Fronten unterschiedlicher Machtansprüche standen.

Der Abend im Haus der Heimat zeigte eindrucksvoll, wie sehr Fragen von Sprache, Identitä t und Erinnerung auch heute noch das Leben von Menschen mit schlesischen Wurzeln prägen. Ob man sich Heimat dort erschafft, wo man ist, oder sie an einen Ort gebunden sieht, bleibt jedem selbst überlassen.

Katrin Bergmann, Projektleitung Nürnberger Kulturbeirat zugewanderter Deutscher im Haus der Heimat



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