Der erste Literatursalon im Haus der Heimat Nürnberg stattgefunden
Das neue Format „Literatursalon“ möchte vor allem jungen Autorinnen und Autoren die Möglichkeit bieten, ihre Neuerscheinung aus dem Bereich der sogenannten „russlanddeutschen“ Literatur vorzustellen und mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen. Unter dem Begriff „Russlanddeutsche Literatur“ versteht man heute üblicherweise die Literatur von deutschsprachigen Autorinnen und Autoren, die aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion stammen – sei es, weil sie dort geboren wurden oder aufgrund der eigenen Familiengeschichte (durch Eltern, Großeltern etc.) in ihrem Schaffen die Geschichte und Kultur der Deutschen aus ebendiesen Ländern verarbeiten.
Unserer Einladung nach Nürnberg folgten die Autorin Elli Unruh mit ihrem Debütroman „Fische im Trüben“ und Max Schatz mit seinem ersten Erzählband „Sonnen und Kometen“. Die Bücher erschienen Anfang September 2025.
Nach der Vorstellung der Autorinnen und Autoren durch Natalie Keller, Geschäftsführerin des Hauses der Heimat, moderierte Artur Rosenstern das Gespräch mit Max Schatz, der anschließend Auszüge aus seinem Buch „Sonnen und Kometen“ vorlas. In der Kurzgeschichte mit dem Titel „Katzenjammer“ geht es um eine Freundschaft zwischen dem Mädchen Amelia und einer Maus, die neben Amelia das halbverlassene Haus in einer deutschen Siedlung in der Sowjetunion bewohnt und täglich aus ihrem Versteck auf der Suche nach Nahrung und Nähe des Mädchens hervorkriecht. Die Handlung spielt vor dem Hintergrund der tragischen Ereignisse im Jahr 1941, in dem Amelias Eltern verhaftet und in sibirische Arbeitslager deportiert werden. Amelia bleibt wochenlang auf sich gestellt, bis sie sich aus dem Haus traut und zufällig auf ihre alte Freundin Anna trifft. Die Wiedersehensfreude währt allerdings nicht lange, denn Anna wird versehentlich von einem Wilderer erschossen. Amelia versucht nun erneut, in dem menschenleer gewordenen Dorf zu überleben …
Im zweiten Teil des Abends führte Natalie Keller das Gespräch mit der Autorin Elli Unruh, die in ihrem Debütroman „Fische im Trüben“ rührend und sehr authentisch die Geschichte einer deutsch-mennonitischen Familie erzählt. Der Erzählung liegen teilweise die Erlebnisse ihrer eigenen Familie (Ur-, Großeltern und Eltern) zugrunde, die in den 1970er- und 1980er-Jahren im Süden Kasachstans lebten. Beim Vorlesen einiger Auszüge durch die Autorin tauchte das Publikum in diese Zeit sowie in die teilweise unberührte kasachische Landschaft ein. Aus drei verschiedenen Perspektiven schildert die Autorin das Leben von Menschen, die durch die tragischen Zäsuren in ihren Lebensläufen und die oft wechselnden Wohnorte nicht mehr genau wissen, wohin sie gehören. Traditionen, Religion und die eigene Sprache Plautdietsch geben ihnen Halt und Hoffnung. Plautdietsch ist heute immer noch lebendig und wird von vielen Menschen deutsch-mennonitischer Herkunft gesprochen. Aufgrund der geschilderten Ereignisse in diesem Roman kann der Leser nachvollziehen, warum der Weg so vieler Auslandsdeutscher bzw. sogenannter Russlanddeutscher wieder in ihre Urheimat Deutschland führte.
Das Projekt wurde gefördert durch das Bayerische Ministerium für Familie, Arbeit und Soziales. Die Lesung war ein Kooperationsprojekt des BKDR, des Hauses der Heimat Nürnberg und des Literaturkreises der Deutschen aus Russland.
Weiter Details zu den vorgestellten Büchern findet Sie unter:
https://transit-verlag.de/autorinnen/unruh-elli
https://bkdr.de/sonnen-und-kometen-max-schatz/
Text von Artur Böpple/BKDR