01.12.2009:

Szenische Lesung im Haus der Heimat Nürnberg

„Die Sehnsucht namens Freiheit“

Als wäre man dabei gewesen! Ereignisse aus dem Dezember 1989 in Rumänien, die man nur aus Erzählungen oder Fernsehausschnitten zu kennen vermutete, schoben sich glaubwürdig vor die Bilder, die wir damit verbanden. Zeitzeugen wurden zitiert. Man wurde eingebunden in die Gedankenwelt von damals, in die meist fragenden Gespräche, unvorbereiteten Handlungen und Verschwinden zufälliger unschuldiger Todesopfer.
64_01 Szenische LesungPlötzlich war alles ganz nahe. Und auch die alte Heimat rückte Bild um Bild näher. Schon dafür hatte sich die vom Donauschwäbischen Zentralmuseum federführend geförderte Lesung dreier Schauspieler des Deutsche Staatstheaters Temeswar am 1. Dezember gelohnt.
Es wurde aber mehr! Ioana Iacob, Alex Halka und Andrea Nistor (v.l.n.r.) beeindruckten durch eine schöne sehr ausdrucksreiche Sprache, die dem unfassbaren Geschehen eine wohltuende Distanz vermitteln konnte. Einblicke in den kommunistischen Alltag und eine Rückschau auf die wirre Zeit nach 1989 führten aus dem unmittelbaren Geschehen nach dem 15. Dezember in Temeswar zu einigen Aspekten der Transformation des rumänischen Staates, die sich schwieriger gestalten sollte als damals mancher vorauszusehen vermochte.
Und man erlebte junge Künstler, die unter dem 34- jährigen Intendant und Direktor Lucian M. Vărşăndan ganz natürlich zeigten, wie die deutsche Kultur in Rumänien weiter lebt. Das 1953 gegründete Deutsche Staatstheater in Temeswar hat eine Belegschaft von 87 Mitarbeitern, wobei das Durchschnittsalter der Schauspieler 30 Jahre beträgt. Das laufende Repertoire ist beeindruckend, siehe auch www.deutschestheater.ro. In Vorbereitung u.a. Goethe_Lenau_Faust, Erkundung eines Mythos, eine Koproduktion mit der Badischen Landesbühne Bruchsal.
Herzlichen Dank allen Künstlern und Förderern, die die deutsche Kultur in Rumänien auf hohem Niveau weiterführen. Viel Erfolg auch weiterhin!

Doris Hutter