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Kulturarbeit
Information über die Geschichte und Kultur der Deutschen aus dem Osten
Trachten der Deutschen aus Russland "Irgendwann...."
Wichtige Brückenfunktion (zu Nachbarländern/ Herkunftsgebieten)
Ehrenurkunde für HFDR "Preisverleihung...."
Buch "Wendepunkt in Nordsiebenbürgen"
Buch "Breslauer Schulen - Geschichte und Architektur"
Buch "Geschichte des deutschen Schulwesens von Oberwischau"
Bildungs- und grenzüberschreitende Kulturarbeit
Denkmal "Flucht und Vertreibung", Hallplatz Nürnberg
Mahnmal "Heimatvertriebene und Aussiedler", Neutorzwinger Nürnberg
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Information über die Geschichte und Kultur der Deutschen aus dem Osten |
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Irgendwann fragt jeder
nach seinen Wurzeln
Die Anregung kam aus dem Haus der
Heimat Nürnberg, das die Traditionen und Kultur der deutschen Stämme, die ihre
Heimat verloren haben, fördert. Bei fröhlichen gemeinsamen Festen bringen
Vertreter verschiedener Landsmannschaften mit
farbenfrohen Trachten ihre Lebensfreude und ihre tiefe
Heimatverbundenheit zum Ausdruck .
Als die ersten Deutschen als
Händler oder geschätzte Handwerker nach Russland kamen, sollten die Steinmetze, Zimmerleute, Schmiede usw. Russland
wirtschaftlich und kulturell an Westeuropa angleichen. Die Weber webten
weiterhin ihre Stoffe und bespannten damit kostbare Möbel, die noch heute in
den zahlreichen Palästen zu besichtigen sind. Es waren auch Franzosen,
Holländer und Italiener ins Land gerufen, aber die meisten waren Deutsche. Sie
blieben deutsche Untertanen und mussten sich nicht vor dem russischen Zaren
verbeugen. Alleine deshalb hatten sie ihre mitgebrachte Kleidung zu tragen, um
von den Einheimischen unterschieden werden zu können. So trugen sie weiterhin
ihre Kleidung samt Knöpfen und Bändern, und so farbenprächtig wurden sie auch
von A. N. Benua „In der deutschen
Vorstadt“ gemalt. Dieses von Benua bunt dargestellte, pulsierende Klein-Europa
hatte seinerzeit mächtigen Einfluss auf
den künftigen Herrscher Russlands, Peter den Großen.
Mit der ersten planmäßigen
Ansiedlung (1764-1796) von Deutschen aus Hessen unter Katharina II. kamen auch
meine Vorfahren aus der Isenburgischen Grafschaft aus dem Büdinger Land an die
Wolga.
Etwa 40 Jahre später (1801-1825)
erfolgte ins Schwarzmeergebiet die zweite große Auswanderungswelle, diesmal aus
Südwest- und Süddeutschland: Elsass, Württemberg, Baden und der Pfalz.
Diese Volksgruppen tauschten sich über
etwa 100 Jahre kulturell aus und glichen sich gegenseitig an, bis man die
Deutschen nach ihren Herkunftsgebieten nicht mehr auseinanderhalten konnte. Sie
hatten aber einen eigenen Stil, sich zu kleiden, durch den sie sich als
Deutsche von allen anderen in Russland lebenden Volksgruppen unterschieden.
Lebensweise, Bräuche und die Trachten der Schwarzmeerdeutschen wurden mit viel
Liebe zum Detail von Pfarrer Konrad Keller in „Die deutschen Kolonien in
Südrussland“ festgehalten. Seine beiden Bücher von 1905 und 1914 sind eine für
uns Nachkommen und alle Interessierten aufschlussreiche Schilderung deutschen
Insellebens in Russland. Sie sind im
Jahre 2000, zum 75. Todesjahr des Autors, als Neuauflage erschienen und beim
Herausgeber, dem Historischen Forschungsverein der Deutschen aus Russland
(HFDR), erhältlich.
Beide großen nationalen
Minderheiten in Russland – die Wolgadeutschen und die Schwarzmeerdeutschen –
hatten miteinander kaum Kontakt, weil sie sich durch ihre Herkunft
unterschieden und in dem riesigen Land zeitlich und räumlich getrennt lebten. Bei dieser großzügigen
Zweiteilung bleibt die sowieso schon immer recht eigenständig gewesene
Volksgruppe der Mennoniten unerwähnt.
Der große Umbruch kam nach der
Revolution 1917. Die typische Kleidung der Deutschen wurde verboten und
verspottet. Schauten Spitzen unter einem Kleid hervor, galt das plötzlich als
unanständig. Meine Mutter, 1925 in Balzer an der Wolga geboren, kann sich noch
gut an Röcke erinnern, wie sie von ihrer Mutter und den älteren Schwestern
getragen wurden. In den guten Wollstoff
waren im gleichem Farbton feine Muster aus Seide eingewebt, und die Blusen
zierten Stickereien und geklöppelte
Spitzen. Zur Kirche wurde überwiegend dunkle und dadurch solide wirkende
Kleidung getragen, die extra für Sonn- und Feiertage aufgehoben wurde. Nun
holte man diese Kleidungsstücke aus der Truhe und trennte sie in
gemeinschaftlicher Abendbeschäftigung auf, um in der durch wirtschaftlichen
Zusammenbruch gekennzeichneten Zeit unter Vermeidung verschwenderischer
Schnitte etwas Neues anzufertigen.
Als nach dem Zweiten Weltkrieg die bis dahin im Deutschen
Reich eingebürgerten Schwarzmeerdeutschen auf
Beschluss der Sieger in die Gulag’s nach Sibirien und nach Mittelasien
gebracht wurden, waren die bereits im Spätsommer 1941 zur Zwangsarbeit verpflichteten Wolgadeutschen durch Kälte,
Unterernährung und Erschöpfung dort massenhaft zu Tode gekommen. So wurden sie
ein Volk: die Russlanddeutschen. Die hierher ebenfalls verschleppten deutschen
Kriegsgefangenen durften ab 1956, nach einem Besuch des Bundeskanzlers, Konrad
Adenauers, in Moskau, nach Hause, sofern sie die schwere Zwangsarbeit und die
unmenschlichen Lebensbedingungen überlebt hatten.
Seit den 70er Jahren bekamen auch
die Russlanddeutschen endlich die Möglichkeit, nach Deutschland, in ihre
historische Heimat auszusiedeln. Neben der wirtschaftlichen Wiedereingliederung
der Spätaussiedler ist ihre kulturelle Integration von enormer Bedeutung. Ein
wesentlicher Teil der deutschen Identität sind aus meiner Sicht die Trachten.
Jeder deutscher Stamm besitzt eine Tracht, also brauchen wir auch eine. Hier
wird eine Tracht vorgeschlagen, die sich auf Erinnerungen und mündlichen
Überlieferungen unserer Mütter und Großmütter beruft, die tüchtige und stolze
Frauen waren. Die wenigen in den deutschen Abteilungen der Heimatmuseen an der
Wolga erhalten gebliebenen Kleidungsstücke der Kolonisten lassen den Einfluss
von Lebensgewohnheiten, Klima und wirtschaftlicher Lage erkennen.
An dieser Stelle möchte ich der
seit 1886 bestehenden Uniform- und Trachtenfabrik Negele in Tübingen herzlichst
danken, die anhand der von Dr. Karl
Stumpp erstellten Auswanderungslisten aus Deutschland mich mit viel Geduld
beraten, mit großer Sorgfalt Entwürfe gemacht und mit viel Mühe die
Kleidungsstücke angefertigt hat. Nachdem lebenskräftige Trachten dauernd der
Mode angepasst und weitergestaltet werden, wurde auch hier versucht, alle
eingegangenen Hinweise zu vereinen und Kleidung zu nähen, die dem historischen
Vorbild gerecht und vom modernen Menschen gern getragen wird. Unterschiede nach
sozialen Merkmalen wurden dabei durch eigene geschmackliche Gestaltungsfreude
überwunden.

Für den Herrn wird ein
weißes
Baumwollhemd mit Stehkragen vorgeschlagen, das unter einer roten Tuchweste mit
einer Leistentasche getragen wird, die mit elf aus Metall hergestellten
Kugelknöpfen bis an den Hals geschlossen ist. Die Rückenmittelnaht und die
beiden Flankennähte enden jeweils in Hakenschlitzen. Auf der Herrenweste und
auf dem Miedergürtel der Frau ist das Unterscheidungsmerkmal zwischen Wolga-
und Schwarzmeerdeutschen eingestickt: die Ähre mit Pflug und der Wolga mit
Berg- und Wiesenseite für die Wolgadeutschen bzw. Traube
und Ross für die
Weinbauern und Pferdezüchter am Schwarzen Meer.
Die eng anliegende Kniebundhose
aus schwarzem Leder mit viereckiger Hosenfalle und geraden Hosentaschen wird an
den Knien mittels Lederstreifen gebunden. Rechts hinten an der Hose ist eine
weitere Tasche und ein kleines Täschchen rechts an der Seite.
Der Gehrock mit Stehkragen ist
aus blauem Wolltuch, hinten mit zwei Kellerfalten und vorne mit Metallknöpfen
verziert. Die zahlreichen Knöpfe sowie die an einer Silberkette getragene, in
ein Gehäuse eingeschlossene Taschenuhr und die Pfeife mit dem langen Mundstück
waren Ausdruck für Wohlstand. Der Gehrock kommt, wie die überwiegende Zahl der
Auswanderer, aus Schwaben.
Die beinlangen weißen Strümpfe
sind aus Baumwolle. Die Halbschuhe sind mit aus unedlem Metall hergestellten
viereckigen breiten Schuhschnallen versehen, die mittels breiten Lederstreifen
auf die Schuhe aufgemacht sind. So wurden sie in Baden getragen und sind heute
bei Dieter Balsies Versand und Verlag, Kiel erhältlich.
Um den Hals wird das in einen
Knoten geschlungene schwarzseidene Tuch getragen. Die Form des Herrenhuts mit breiter
Krempe stammt auch aus dem Oberrheinischen. Er ist aus schwarzem Filz und mit einem 12er
Ripsband und einer strengen Schleife an der Seite versehen.
Die Bekleidung der Frauen war
praktisch und dem rauen Klima in Russland angepasst. Der Wams ist gefüttert und
gesteppt. So eine Frauenjacke ist in der deutschen Abteilung des Heimatmuseums
in Saratow ausgestellt. Die Bluse hat einen weiten Ärmel und eine breite
Manschette mit vielen Knöpfen, die mit dem Blusenstoff bespannt sind. Die
aufgehenden Biesen dienen zur Verzierung und ersetzen die Abnäher. Die Blusen
waren leicht getönt, nie weiß.
Ein wesentliches
Erkennungsmerkmal einer deutschen Frauentracht ganz allgemein ist der Mieder.
Auf Anraten der Firma Negele wurde ein Miedergürtel gefertigt, nachdem die
festlichen Röcke der deutschen Frauen in Russland bis zur Revolution einen
breiten Bund hatten, der unter der Brust spitz zulief. Auf dem schwarzen
Miedergürtel findet sich die Stickerei wieder, das Unterscheidungsmerkmal
zwischen Wolga- und Schwarzmeerdeutschen.
Die Faltenröcke der Frauen waren
meist dunkel, aber auch, wie bei K. Keller nachzulesen, in der wärmeren
Jahreszeit buntfarbig gestreift, was eine Uniformierung vermeiden helfen würde.
Zur kurzärmlichen Sommerbluse, an der ich noch arbeite, kann auch der
Miedergürtel getragen werden, oder ein vorn geschnürte Miederweste, die
ebenfalls noch im Entstehen ist. Jetzt fehlt eigentlich nur noch die Schürze.
Die Damenschuhe hatten zwei
Querspangen, die mit Knöpfen geschlossen wurden.
Ein eigenständiges
Forschungsgebiet ist die Kopfbedeckung der Frauen. Eins steht fest: es war
undenkbar, dass Frauen, aber auch Mädchen ohne Kopfbedeckung auf die Straße
oder zu Besuch gingen. Das Haar wurde nicht offen getragen. Die Mädchen hatten
lange Zöpfe, die Frauen eine gescheitelte Frisur mit kunstvoll geformten und
mit Haarnadeln festgehaltenen Knoten.
Die typische Kopfbedeckung im
Herbst und im Winter war das schwarze Kopftuch. An ihm hängen die
russlanddeutschen Frauen, wie überhaupt die Frauen aus dem Südosten Europas, so fest, dass sie es
auch hier im Westen nicht ablegen wollen. Als Alternative zu diesen praktischen
und vor allem warmen Tüchern soll ein Filzhut angeboten werden.
Die Form wurde dem im Sommer
getragenen Strohhut, wie er in den deutschen Abteilungen der Heimatmuseen an
der Wolga in Saratow und Marxstadt zu finden ist, entlehnt. Unser Damenhut aus
Filz hat eine Garnitur aus demselben Stoff bekommen, aus dem auch der Rock
gefertigt worden ist. Die Stoffgarnitur ist in Falten gelegt und hinten in
einer einfachen Schleife gebunden. Mit der Sommertracht kann ein Strohhut
getragen werden, der auf gleiche Weise mit einer zum Rock passender
Stoffgarnitur versehen ist.
War im Sommer die Hitze gar zu
groß, legte man um den Kopf ein weißes Baumwolltuch, das vorn verknotet war.
Der prallen Sonne setzte man sich grundsätzlich nicht aus. Bei kühlem Wetter
wurden auch große Tücher, die unter den Achseln durchgehend am Rücken gebunden
wurden, getragen.
So ein Tuch aus den 50er Jahren
habe ich von einer Landsmännin als Muster zur Verfügung gestellt bekommen. Ich
suche noch nach einer Möglichkeit, es nachweben zu lassen.
Heute, wo man doch seine
Eigenheiten und Unverwechselbarkeit betonen möchte, um sich im großen Europa
wiederzufinden, ist auch für uns Russlanddeutsche die Zeit reif geworden, etwas
Neues zu entwickeln, denn auch wir möchten uns als Volksgruppe neben den
anderen Landsmannschaften ebenbürtig repräsentieren und etwas Eigenständiges in
die friedliche Gemeinschaft einbringen.
Als relativ junges historisches Phänomen haben wir als Volksgruppe halt eine
etwas modernere Tracht. Eins aber steht fest: der Mensch kann nicht ohne seine Wurzeln, die in der Vergangenheit
liegen, leben. Aus ihnen schöpft er Kraft für die Gegenwart und Zuversicht für
die Zukunft.
Die hier vorgestellte Tracht
wurde erstmalig von meinem Mann und mir am 23./24. Mai 2003 zu den
Aussiedler-Kulturtagen in Nürnberg 2003 bei einem festlichen Trachtenumzug und
beim anschließenden ökumenischen Gottesdienst in der Paul-Gerhardt-Kirche in
Nürnberg- Langwasser getragen. Farbige Abbildungen der Kleidung sind im
Wandbildkalender „Integration 2004“ erschienen, herausgegeben vom Historischen
Forschungsverein der Deutschen aus Russland. Bestellungen bei Anton Bosch,
Schwimbacher Str. 9, 90453 Nürnberg.
Als nächstes möchte ich einen
Trachtenverein der Deutschen aus Russland und eine Tanzgruppe gründen. Es gibt
auch unter uns emanzipierte Frauen, die sich nicht gern in die globale
Hosenkluft stecken lassen. Es gibt sicher auch noch Männer, die auf
emanzipierte Frauen mit Rock stehen. Dazu muss es noch möglich werden, Trachten
in eigener Fertigung kostengünstiger herzustellen. Sicher finden sich unter
unseren Näherinnen Frauen, die bereit wären, sich über Trachtennähkurse auf
diesem Gebiet zu spezialisieren. Vielleicht finden sich Gönner und Förderer,
die diese Bestrebungen unterstützen, denn ohne Geld lassen sich solche Vorhaben
nicht realisieren.
Bei meinen bisherigen Recherchen
habe ich zahlreiche Menschen kennen gelernt, Landsleute und Einheimische, die
mit viel Zuspruch und tatkräftiger Hilfe mich in meinen Bemühungen bestärkt
haben. Ihnen allen danke ich im Namen meiner Landsleute ganz herzlich. Ich
danke im voraus für weitere sachdienliche Hinweise und Unterstützung jeder Art.
Kontakt unter Tel. 09122/83 95 74.
Das Projekt wurde gefördert vom
Haus der Heimat Nürnberg und von Renovabis.
Lilli Uhlmann,
Mitglied des
Historischen Forschungsvereins der Deutschen aus Russland
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Wichtige Brückenfunktion (zu Nachbarländern/ Herkunftsgebieten) |
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Preisverleihung
des Robert Bosch Forums in Berlin
Mit einem Einladungsschreiben der
Robert Bosch Stiftung vom 23.05.05 erhielt der „Historische Forschungsverein
der Deutschen aus Russland e.V.“(HFDR) eine Mitteilung, dass er von 269
Bewerbungen den 21. Ehrenplatz erhalten hat und am Tag der Preisverleihung, dem
23.06.05, eine entsprechende Ehrenurkunde in der Botschaft der Russischen
Föderation in Empfang nehmen kann. Zum entsprechenden Datum reisten zwei Vertreter des Vereins,
Anton Bosch und Erna Malygin nach Berlin.
Die Veranstaltung fand im Säulensaal
der Botschaft der Russischen Föderation, „Unter den Linden“ Nr. 35-37 (am
Brandenburger Tor) statt. Das Botschaftsgebäude befindet sich direkt hinter dem
Adlon-Hotel und ist im Zuckerbäckerstil gebaut worden. Seine Innenräume sind
bewundernswert luxuriös und großzügig in bester Qualität ausgerüstet. Bemerkenswert
ist auch der Spaskij-Turm mit der Kremlglocke im Großen Glasfenster der
Westwand, die viertelstündlich synchron mit der Moskauer Turmuhr die Moskauer
Urzeit ankündigt.
Die über ca. 500 Gäste wurden vom
Botschafter Kotenjow, der ein akzentfreies Deutsch sprach, und
dem Vorsitzenden des Robert Bosch Forums von Studnitz begrüßt. Die
Festrede hielt die bekannte Journalistin, Dr. Gabriele Krone-Schmalz.
Die Veranstaltung, es ist die
Vierte, stand diesmal unter dem Motto:„Verleihung des Förderpreises der Robert Bosch
Stiftung für Deutsch-russisches Bürgerengagement“= Wrutschenije premii fonda
im. Roberta Boscha za grashdanskuju iniziatiwu w sotrudnitschestwe meshdu
Germanijej i Rossijej 2005 g.“
Die Kriterien zu Preisvergabe waren diesmal
vielfältiger als zwei Jahre zuvor. Gefragt waren nebst Bürgerengagement vor
allem Tugenden wie: Mut, Zivilcourage, Verständigung, Sympathien. Und über
allem schwebte das Motto „Frieden ist kein Geschenk, sondern harte Arbeit!“
Von 269 eingereichten Projekten hat
die Jury die besten 60 für Auszeichnungen vorgeschlagen, davon erhielten 16 in
Russland realisierte Vorhaben Geldprämien in Höhe von 1000 bis 6000 Euro.
Der „Historische Forschungsverein
der Deutschen aus Russland e.V.“ erhielt für das in 2004 ausgeführte Projekt „Gedenkstätte
Archangelsk“ den Rang 21 und wurde dafür gemeinsam mit dem Partner in
Archangelsk mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet.
Das Buffet bot
nach russischer gastfreundlicher Art Borschtsch, Pelmani, gepellte Kartoffeln
mit Dill, Lachs, Kaviar, Piroshki, Salate, verschiedene Käsesorten, Gemüse,
Obst, Rot- und Weißweine und Vieles mehr, auf drei Etagen übereinander
aufgetischt.
Die Zweitschrift der Ehrenurkunde wurde
inzwischen an die Projektpartner nach Archangelsk geschickt, die die
Gedenkstätte am 28. August 2004 eingeweiht hatten und sich verpflichteten, sie für
mindestens 50 weitere Jahre zu pflegen.
Bundespräsident Horst Köhler, dessen
Eltern Bessarabien-Deutsche waren und bis 1919 zu Russland gehörten, hat als
Schirmherr seine schützende Hand über diesem großen Vorhaben des Robert Bosch
Forums gehalten.
Anton Bosch


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Buch "Wendepunkt in Nordsiebenbürgen"von A.Pintilei und H. Göbbel |
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„Punct crucial in
Ardealul de Nord – Wendepunkt in Nordsiebenbürgen“
„Hommage an die Siebenbürger
Sachsen“ – so beschriebt der Historiker Dr. Michael Kroner das beachtliche
geschichtliche Werk über die Evakuierung und Flucht der Nordsiebenbürger
Sachsen im Herbst 1944, „Punct crucial in Ardealul de Nord – Wendepunkt in
Nordsiebenbürgen“, das im Verlag Haus der Heimat Nürnberg im Herbst 2004
erschien.
Autoren sind Alexandru Pintelei,
ein junger rumänische Historiker und
Horst Göbbel, Siebenbürger Sachse und Studiendirektor am
Hans-Sachs-Gymnasium in Nürnberg, seit Jahrzehnten engagiert im Bereich der
Integration von deutschen Aussiedlern aus Osteuropa.
Während nach wie vor in der
rumänischen Geschichtsschreibung grundsätzlich der wesentliche deutsche Beitrag
in der Geschichte Siebenbürgens verschwiegen oder vertuscht, bestenfalls einen
wahrheitswidrigen rumänischen Anstrich verpasst bekommt, entspricht die Arbeit
von Pintelei den Erwartungen an eine objektive Wiedergabe der Geschehnisse.
Dieses Buch wendet sich - neben allen Interessierten an
einer markanten europäischen Kulturlandschaft
- besonders an drei Adressatengruppen:
- an die Nordsiebenbürger Sachsen, die zumindest
einen Teil ihres Lebens in Nordsiebenbürgen verbracht haben,
- an deren Nachkommen und
- ganz besonders an die Nachfolger der
Siebenbürger Sachsen in Nordsiebenbürgen, d.h. an die jetzigen und künftigen
Bewohner deutscher Orte in Nordsiebenbürgen, speziell an die junge Generation
von Rumänen, Ungarn u. a.
Von den mehr als 40.000 in 53 nordsiebenbürgischen Orten im
Raum Bistritz (34) und Sächsisch Regen (12) sowie weiteren sieben
südsiebenbürgischen Gemeinden lebenden Deutschen, deren deutsche Bevölkerung im
Herbst 1944 evakuiert wurde, zählt heute die ev. Kirche in der Diaspora noch
einige hundert Seelen, vorwiegend alte Menschen bzw. Deutsche in gemischten
Familien. Weit mehr als 95% der Siebenbürger Sachsen leben derzeit außerhalb
Siebenbürgens.
Der erste Aderlass erfolgte im Zusammenhang mit dem Zweiten
Weltkrieg 1939-1945 (gefallene Soldaten, Evakuierte und anschließend im Westen
Verbliebene - etwa ¾ - sowie Soldaten in
Kriegsgefangenschaft), der zweite im Gefolge der umfassenden Aussiedlung der
Deutschen etwa ab 1969/70 bis ca. 1990/91.
Ziemlich genau 850 Jahre nach ihrer Einwanderung nach
Siebenbürgen haben sich die Siebenbürger Sachsen von ihrer jahrhundertealten
Heimat verabschiedet, sind größtenteils in ihr Ursprungsland Deutschland
heimgekehrt oder sie haben sich in Österreich, in den USA und in Kanada
integriert.
Viele Menschen, die heute in den früheren sächsischen Orten
Nordsiebenbürgens wohnen, besonders die junge Generation, mag sich wundern,
dass es hier vorwiegend im Ortskern eine Architektur gibt, die sich vom
sonstigen typisch rumänischen oder ungarischen Ortsgefüge deutlich
unterscheidet. Besonders die völlig
anders gebauten ev. Kirchen fallen auf.
Ebenso tauchen möglicherweise auch weitere Fragen auf, die bisher gar
nicht, völlig falsch bzw. unzureichend beantwortet wurden. Dazu zählen Fragen
zur Einwanderung und zur Auswanderung der Siebenbürger Sachsen, zur
politischen, wirtschaftlichen, sozialen Geschichte der jeweiligen
nordsiebenbürgischen Orte, Fragen zur ethnischen Zusammensetzung, zum
Verhältnis der Deutschen zu ihren siebenbürgischen Nachbarn, Fragen zum zivilisatorischen
Beitrag der Deutschen in Siebenbürgen, Fragen zu deren Kulturerbe usw. usf.
zu den Fotos >>>
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Bildungs- und grenzüberschreitende Kulturarbeit |
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Zentrales Denkmal
„Flucht
und Vertreibung“
des Freistaates Bayern in Nürnberg

Die Bayerische Staatsregierung wollte Ende der 90iger Jahre
daran erinnern, welches Leid den Flüchtlingen und Vertriebenen aus den ehemaligen
deutschen und deutschbesiedelten Ostgebieten und denen aus Südosteuropa zugefügt
worden ist, aber auch an die Aufbauleistung, die sie zusammen mit den Einheimischen
erbracht haben, als das Agrarland Bayern von 1945 zu einem hervorragenden Industriestandort
umgewandelt wurde. Der erste Schritt
dieser Würdigung erfolgte bereits
im Juni 1999, als Ministerpräsident
Dr. Edmund Stoiber an hervorragender Stelle in der Staatskanzlei in München
eine Gedenktafel „Flucht und Vertreibung“ in einer Feierstunde enthüllte.
Des weiteren sollte in der zweitgrößten Stadt des Freistaates ein
zentrales Denkmal „Flucht und Vertreibung“ errichtet werden, zumal Nürnberg als
Handelsstadt traditionell viele Verbindungen zu osteuropäischen Ländern hatte.
Andrerseits hat sich Nürnberg in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit
der Errichtung der „Straße der Menschenrechte“ in der Kartäusergasse und der
Verleihung des Menschrechtspreises im zweijährigen Turnus als Stätte der Versöhnung
und es Ausgleichs entwickelt. Nachdem die Heimatvertriebenen bereits in ihrer
Charta von 1950 auf Rache und Vergeltung verzichtet haben fügt sich die
Errichtung dieses Denkmals in die Bemühungen Nürnbergs um die Menschenrechte
nahtlos ein. Durch die geographische Nähe mit dem Germanischen Nationalmuseum
und der „Menschenrechtsstraße“ wird dies besonders deutlich.
Gedenktafel und Denkmal sollten aus Privatisierungserlösen des Landes
Bayern finanziert werden, wofür 800 000 DM zur Verfügung gestellt wurden. Bei
einem Ideenwettbewerb wurden 13 Arbeiten eingereicht und eine Gutachterkommission
entschied sich für die Idee von Professor Joachim Bandau aus Aachen.

Über den zukünftigen Standort
dieser Anlage konnte man sich zunächst nicht einigen. So wünschte sich die
Staatsregierung das Denkmal an der zentralsten Stelle der Stadt, auf dem
Hauptmarkt. Doch große Teile des Stadtrates von Nürnberg hätten es am liebsten
an einer recht unauffälligen Stelle untergebracht. Schließlich einigte man sich
darauf, es auf dem Hallplatz, der sich direkt an die Königsstraße anschließt
und von dem mächtigen Baukörper der
Mauthalle beherrscht wird,
aufzustellen. Nachdem sich der ganze Fußgängerverkehr zwischen Hauptbahnhof und
Lorenzkirche hier abwickelt, ist dieser Platz noch mehr frequentiert als der
Hauptmarkt.

Mit der Aufstellung dieses Denkmals erfuhr der gesamte
Hallplatz eine Neugestaltung. So ist auf der Westseite des Denkmals, das in der
Mitte des Hallplatzes steht, eine 4,00 m breite Edelstahlplatte in einem vom
übrigen Pflaster abgesetzten Pflasterstreifen eingelassen die sämtliche
Vertreibungsgebiete aufzählt:
DEUTSCHBALTEN KARPATENDEUTSCHE
OSTPREUSSEN UNGARNDEUTSCHE
WESTPREUSSEN DONAUSCHWABEN
DEUTSCHE AUS POLEN BANATER
SCHWABEN
POMMERN SIEBENBURGER
SACHSEN
SCHLESIER RUSSLANDDEUTSCHE
SUDETENDEUTSCHE ALLE
OSTVERTRIEBENEN
Dieser abgesetzte Pflasterstreifen ist ca. 20 m lang und
führt zu einem aus massivem Kupfer gefertigten offenen Tor, das 4,00 m breit
und 5,00 m hoch ist und 42 Tonnen wiegt. Auf der breiten nördlichen Innenseite
des Torrahmens ist folgende Inschrift zu lesen:


DEN
DEUTSCHEN VERTRIEBENEN
ZUR ERINNERUNG
AN DEPORTATION,
FLUCHT
UND VERTREIBUNG
ZUM
GEDENKEN AN IHRE
HEIMAT
UND
AN IHRE TOTEN
ZUM
DANK FÜR IHREN
EINSATZ BEIM
WIEDERAUFBAU
IN BAYERN
DIE
BAYERISCHE STAATSREGIERUNG
1999
Das offene Tor soll wohl den Durchgang nach beiden Seiten
aufzeigen, wobei der eine Durchgang, von der Heimat weg bereits vollzogen
werden musste, während der zweite Durchgang, zurück zur Heimat noch als
Zukunftsvision angesehen werden muß. Angemerkt soll noch werden, daß die
symbolische Straße, wo die Vertreibungsgebiete aufgezählt werden, von Westen
her an das Tor geführt wird, obwohl die Flüchtlings- und Vertriebenenströme vom
Osten kamen.
Mit der Inschrift im Torinneren wurde zugleich eine
Gedenkstätte für die Toten geschaffen, die zum einen während der unseligen
Vertreibungen umgekommen sind, zum anderen aber die Möglichkeit bietet auch der
Verstorbenen zu gedenken die noch in der Heimaterde ruhen und deren Gräber heute
nicht mehr zu finden sind.

Bei der Einweihung des Denkmals am 25. November 1999 machte
der Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber neben anderen Rednern klar, dass damit
ein Ort des Erinnerns und einer gegen das Vergessen geschaffen wurde, aber auch
ein Dank an die Vertriebenen für ihre beispiellose Aufbauarbeit nach dem Krieg
in Bayern sein soll. Er erinnerte an die vielen Menschenrechtsverletzungen der
Deutschen im 2. Weltkrieg, aber
auch an die
der Gegenseite,die wohl
als Folge der deutschen Untaten geschehnen sind, aber trotzdem auch
Menschenrechtsverletzungen geblieben sind und bleiben. Er wollte dieses Denkmal
aber auch als Mahnung für die Zukunft verstanden wissen:
„Und die Zukunft in Europa heißt:
Freiheit – Frieden – Verständigung“.
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Bildungs- und grenzüberschreitende Kulturarbeit |
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Mahnmal
„Heimatvertriebene und Aussiedler“
am Neutorzwinger in Nürnberg

 Heimatvertriebenen-Relief am Neutorzwinger
Künstler:
Emil Zentgraf und Christoph Lenz (Guss)
Material: Bronze
H: ca. 2,00 m, B: 1,00 m, T: ca. 0,10 m
Anbringung: um 1968
Im Neutorzwinger an der
nördlichen Mauerwand ist das Mahnmal für die Heimatvertriebenen angebracht.
Das schlichte, aber aussagekräftige Werk mit dem plastisch angefügten Hinweis
"Heimatvertriebene 1945-1949" ist ein in stark simplifiziertem Formenkanon
gearbeitetes Flachrelief, das seine Rhythmisierung durch die Umrissbewegung
sowie Kopf- bzw. Körperkonturen erfährt.
Abstraktion und Rhythmus
verdichten sich hier zu einer konzentriert-überdimensionalen Zeichen- haftigkeit,
die das Schicksal der Vertriebenen symbolisiert. Die kubische Detail- wie Gesamtform
verdeutlichen das sich gegenseitige zwischen- menschliche Stützen, ungeachtet der
Einzel- schicksale und der individuellen Trauer.
Im Detail tauchen
bisweilen Einzelthemen wie die Vereinsamung des auf den Stock gestützten
Mannes, die Trauer der verschleierten Frauengestalt oder die Gefangen- schaft des
Mannes in Ketten auf.
Auch ein positiver Aspekt ist zu erkennen:
Eine madonnenartige Frau reicht ihrem Kind die Hände oder die Umarmung zweier
Gestalten wie sie im mittleren Reliefteil zu beobachten ist. Stilistisch steht
das Relief der Münchner Schule um Josef Henselmann nahe.
Der o.g. Text wurde dankenswerter Weise
von Bernhard Hebendanz, Hochbauamt der Stadt Nürnberg, Fachbereich
Denkmalpflege, dem Buch "Freiplastiken in Nürnberg" v. Elke Masa entnommen.
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