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Kulturarbeit

Information über die Geschichte und Kultur der Deutschen aus dem Osten

Trachten der Deutschen aus Russland "Irgendwann...."

Wichtige Brückenfunktion (zu Nachbarländern/ Herkunftsgebieten)
Ehrenurkunde für HFDR "Preisverleihung...."
Buch "Wendepunkt in Nordsiebenbürgen"
Buch "Breslauer Schulen - Geschichte und Architektur"
Buch "Geschichte des deutschen Schulwesens von Oberwischau"

 

Bildungs- und grenzüberschreitende Kulturarbeit
Denkmal "Flucht und Vertreibung", Hallplatz Nürnberg
Mahnmal "Heimatvertriebene und Aussiedler", Neutorzwinger Nürnberg

 

 

 

 

 



Information über die Geschichte und Kultur der Deutschen aus dem Osten nach oben


Irgendwann fragt jeder
nach seinen Wurzeln

Die Anregung kam aus dem Haus der Heimat Nürnberg, das die Traditionen und Kultur der deutschen Stämme, die ihre Heimat verloren haben, fördert. Bei fröhlichen gemeinsamen Festen bringen Vertreter verschiedener Landsmannschaften mit  farbenfrohen Trachten ihre Lebensfreude und ihre tiefe Heimatverbundenheit zum Ausdruck .

Als die ersten Deutschen als Händler oder geschätzte Handwerker nach Russland  kamen, sollten die Steinmetze, Zimmerleute, Schmiede usw. Russland wirtschaftlich und kulturell an Westeuropa angleichen. Die Weber webten weiterhin ihre Stoffe und bespannten damit kostbare Möbel, die noch heute in den zahlreichen Palästen zu besichtigen sind. Es waren auch Franzosen, Holländer und Italiener ins Land gerufen, aber die meisten waren Deutsche. Sie blieben deutsche Untertanen und mussten sich nicht vor dem russischen Zaren verbeugen. Alleine deshalb hatten sie ihre mitgebrachte Kleidung zu tragen, um von den Einheimischen unterschieden werden zu können. So trugen sie weiterhin ihre Kleidung samt Knöpfen und Bändern, und so farbenprächtig wurden sie auch von A. N. Benua  „In der deutschen Vorstadt“ gemalt. Dieses von Benua bunt dargestellte, pulsierende Klein-Europa hatte seinerzeit mächtigen Einfluss auf  den künftigen Herrscher Russlands, Peter den Großen.

Mit der ersten planmäßigen Ansiedlung (1764-1796) von Deutschen aus Hessen unter Katharina II. kamen auch meine Vorfahren aus der Isenburgischen Grafschaft aus dem Büdinger Land an die Wolga.

Etwa 40 Jahre später (1801-1825) erfolgte ins Schwarzmeergebiet die zweite große Auswanderungswelle, diesmal aus Südwest- und Süddeutschland: Elsass, Württemberg, Baden und der Pfalz. Diese  Volksgruppen tauschten sich über etwa 100 Jahre kulturell aus und glichen sich gegenseitig an, bis man die Deutschen nach ihren Herkunftsgebieten nicht mehr auseinanderhalten konnte. Sie hatten aber einen eigenen Stil, sich zu kleiden, durch den sie sich als Deutsche von allen anderen in Russland lebenden Volksgruppen unterschieden. Lebensweise, Bräuche und die Trachten der Schwarzmeerdeutschen wurden mit viel Liebe zum Detail von Pfarrer Konrad Keller in „Die deutschen Kolonien in Südrussland“ festgehalten. Seine beiden Bücher von 1905 und 1914 sind eine für uns Nachkommen und alle Interessierten aufschlussreiche Schilderung deutschen Insellebens in Russland. Sie sind  im Jahre 2000, zum 75. Todesjahr des Autors, als Neuauflage erschienen und beim Herausgeber, dem Historischen Forschungsverein der Deutschen aus Russland (HFDR), erhältlich.

Beide großen nationalen Minderheiten in Russland – die Wolgadeutschen und die Schwarzmeerdeutschen – hatten miteinander kaum Kontakt, weil sie sich durch ihre Herkunft unterschieden und in dem riesigen Land zeitlich und räumlich  getrennt lebten. Bei dieser großzügigen Zweiteilung bleibt die sowieso schon immer recht eigenständig gewesene Volksgruppe der Mennoniten unerwähnt.

Der große Umbruch kam nach der Revolution 1917. Die typische Kleidung der Deutschen wurde verboten und verspottet. Schauten Spitzen unter einem Kleid hervor, galt das plötzlich als unanständig. Meine Mutter, 1925 in Balzer an der Wolga geboren, kann sich noch gut an Röcke erinnern, wie sie von ihrer Mutter und den älteren Schwestern getragen wurden.  In den guten Wollstoff waren im gleichem Farbton feine Muster aus Seide eingewebt, und die Blusen zierten Stickereien und  geklöppelte Spitzen. Zur Kirche wurde überwiegend dunkle und dadurch solide wirkende Kleidung getragen, die extra für Sonn- und Feiertage aufgehoben wurde. Nun holte man diese Kleidungsstücke aus der Truhe und trennte sie in gemeinschaftlicher Abendbeschäftigung auf, um in der durch wirtschaftlichen Zusammenbruch gekennzeichneten Zeit unter Vermeidung verschwenderischer Schnitte etwas Neues anzufertigen.

Als nach dem  Zweiten Weltkrieg die bis dahin im Deutschen Reich eingebürgerten Schwarzmeerdeutschen auf  Beschluss der Sieger in die Gulag’s nach Sibirien und nach Mittelasien gebracht wurden, waren die bereits im Spätsommer 1941 zur Zwangsarbeit  verpflichteten Wolgadeutschen durch Kälte, Unterernährung und Erschöpfung dort massenhaft zu Tode gekommen. So wurden sie ein Volk: die Russlanddeutschen. Die hierher ebenfalls verschleppten deutschen Kriegsgefangenen durften ab 1956, nach einem Besuch des Bundeskanzlers, Konrad Adenauers, in Moskau, nach Hause, sofern sie die schwere Zwangsarbeit und die unmenschlichen Lebensbedingungen überlebt hatten.

Seit den 70er Jahren bekamen auch die Russlanddeutschen endlich die Möglichkeit, nach Deutschland, in ihre historische Heimat auszusiedeln. Neben der wirtschaftlichen Wiedereingliederung der Spätaussiedler ist ihre kulturelle Integration von enormer Bedeutung. Ein wesentlicher Teil der deutschen Identität sind aus meiner Sicht die Trachten. Jeder deutscher Stamm besitzt eine Tracht, also brauchen wir auch eine. Hier wird eine Tracht vorgeschlagen, die sich auf Erinnerungen und mündlichen Überlieferungen unserer Mütter und Großmütter beruft, die tüchtige und stolze Frauen waren. Die wenigen in den deutschen Abteilungen der Heimatmuseen an der Wolga erhalten gebliebenen Kleidungsstücke der Kolonisten lassen den Einfluss von Lebensgewohnheiten, Klima und wirtschaftlicher Lage erkennen. 

An dieser Stelle möchte ich der seit 1886 bestehenden Uniform- und Trachtenfabrik Negele in Tübingen herzlichst danken, die anhand der von  Dr. Karl Stumpp erstellten Auswanderungslisten aus Deutschland mich mit viel Geduld beraten, mit großer Sorgfalt Entwürfe gemacht und mit viel Mühe die Kleidungsstücke angefertigt hat. Nachdem lebenskräftige Trachten dauernd der Mode angepasst und weitergestaltet werden, wurde auch hier versucht, alle eingegangenen Hinweise zu vereinen und Kleidung zu nähen, die dem historischen Vorbild gerecht und vom modernen Menschen gern getragen wird. Unterschiede nach sozialen Merkmalen wurden dabei durch eigene geschmackliche Gestaltungsfreude überwunden.

Für den Herrn wird ein weißes Baumwollhemd mit Stehkragen vorgeschlagen, das unter einer roten Tuchweste mit einer Leistentasche getragen wird, die mit  elf aus Metall hergestellten   Kugelknöpfen bis an den Hals geschlossen ist.  Die Rückenmittelnaht   und  die  beiden  Flankennähte enden jeweils in Hakenschlitzen.  Auf der Herrenweste und auf dem Miedergürtel der Frau ist das  Unterscheidungsmerkmal zwischen Wolga- und Schwarzmeerdeutschen eingestickt: die Ähre mit Pflug und der Wolga mit Berg- und Wiesenseite für die   Wolgadeutschen   bzw.  Traube   und  Ross  für  die  Weinbauern  und Pferdezüchter am Schwarzen Meer.

Die eng anliegende Kniebundhose aus schwarzem Leder mit viereckiger Hosenfalle und geraden Hosentaschen wird an den Knien mittels Lederstreifen gebunden. Rechts hinten an der Hose ist eine weitere Tasche und ein kleines Täschchen rechts an der Seite.

Der Gehrock mit Stehkragen ist aus blauem Wolltuch, hinten mit zwei Kellerfalten und vorne mit Metallknöpfen verziert. Die zahlreichen Knöpfe sowie die an einer Silberkette getragene, in ein Gehäuse eingeschlossene Taschenuhr und die Pfeife mit dem langen Mundstück waren Ausdruck für Wohlstand. Der Gehrock kommt, wie die überwiegende Zahl der Auswanderer, aus Schwaben.

Die beinlangen weißen Strümpfe sind aus Baumwolle. Die Halbschuhe sind mit aus unedlem Metall hergestellten viereckigen breiten Schuhschnallen versehen, die mittels breiten Lederstreifen auf die Schuhe aufgemacht sind. So wurden sie in Baden getragen und sind heute bei Dieter Balsies Versand und Verlag, Kiel erhältlich.

Um den Hals wird das in einen Knoten geschlungene schwarzseidene Tuch getragen. Die Form des Herrenhuts mit breiter Krempe stammt auch aus dem Oberrheinischen. Er ist aus schwarzem Filz und mit einem 12er Ripsband und einer strengen Schleife an der Seite versehen.

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Die Bekleidung der Frauen war praktisch und dem rauen Klima in Russland angepasst. Der Wams ist gefüttert und gesteppt. So eine Frauenjacke ist in der deutschen Abteilung des Heimatmuseums in Saratow ausgestellt. Die Bluse hat einen weiten Ärmel und eine breite Manschette mit vielen Knöpfen, die mit dem Blusenstoff bespannt sind. Die aufgehenden Biesen dienen zur Verzierung und ersetzen die Abnäher. Die Blusen waren leicht getönt, nie weiß.

Ein wesentliches Erkennungsmerkmal einer deutschen Frauentracht ganz allgemein ist der Mieder. Auf Anraten der Firma Negele wurde ein Miedergürtel gefertigt, nachdem die festlichen Röcke der deutschen Frauen in Russland bis zur Revolution einen breiten Bund hatten, der unter der Brust spitz zulief. Auf dem schwarzen Miedergürtel findet sich die Stickerei wieder, das Unterscheidungsmerkmal zwischen Wolga- und Schwarzmeerdeutschen.

Die Faltenröcke der Frauen waren meist dunkel, aber auch, wie bei K. Keller nachzulesen, in der wärmeren Jahreszeit buntfarbig gestreift, was eine Uniformierung vermeiden helfen würde. Zur kurzärmlichen Sommerbluse, an der ich noch arbeite, kann auch der Miedergürtel getragen werden, oder ein vorn geschnürte Miederweste, die ebenfalls noch im Entstehen ist. Jetzt fehlt eigentlich nur noch die Schürze.

Die Damenschuhe hatten zwei Querspangen, die mit Knöpfen geschlossen wurden.

Ein eigenständiges Forschungsgebiet ist die Kopfbedeckung der Frauen. Eins steht fest: es war undenkbar, dass Frauen, aber auch Mädchen ohne Kopfbedeckung auf die Straße oder zu Besuch gingen. Das Haar wurde nicht offen getragen. Die Mädchen hatten lange Zöpfe, die Frauen eine gescheitelte Frisur mit kunstvoll geformten und mit Haarnadeln festgehaltenen Knoten.

Die typische Kopfbedeckung im Herbst und im Winter war das schwarze Kopftuch. An ihm hängen die russlanddeutschen Frauen, wie überhaupt die Frauen aus dem Südosten Europas, so fest, dass sie es auch hier im Westen nicht ablegen wollen. Als Alternative zu diesen praktischen und vor allem warmen Tüchern soll ein Filzhut angeboten werden.

Die Form wurde dem im Sommer getragenen Strohhut, wie er in den deutschen Abteilungen der Heimatmuseen an der Wolga in Saratow und Marxstadt zu finden ist, entlehnt. Unser Damenhut aus Filz hat eine Garnitur aus demselben Stoff bekommen, aus dem auch der Rock gefertigt worden ist. Die Stoffgarnitur ist in Falten gelegt und hinten in einer einfachen Schleife gebunden. Mit der Sommertracht kann ein Strohhut getragen werden, der auf gleiche Weise mit einer zum Rock passender Stoffgarnitur versehen ist.

War im Sommer die Hitze gar zu groß, legte man um den Kopf ein weißes Baumwolltuch, das vorn verknotet war. Der prallen Sonne setzte man sich grundsätzlich nicht aus. Bei kühlem Wetter wurden auch große Tücher, die unter den Achseln durchgehend am Rücken gebunden wurden, getragen.

So ein Tuch aus den 50er Jahren habe ich von einer Landsmännin als Muster zur Verfügung gestellt bekommen. Ich suche noch nach einer Möglichkeit, es nachweben zu lassen.

Heute, wo man doch seine Eigenheiten und Unverwechselbarkeit betonen möchte, um sich im großen Europa wiederzufinden, ist auch für uns Russlanddeutsche die Zeit reif geworden, etwas Neues zu entwickeln, denn auch wir möchten uns als Volksgruppe neben den anderen Landsmannschaften ebenbürtig repräsentieren und etwas Eigenständiges in die friedliche Gemeinschaft  einbringen. Als relativ junges historisches Phänomen haben wir als Volksgruppe halt eine etwas modernere Tracht. Eins aber steht fest: der Mensch kann nicht  ohne seine Wurzeln, die in der Vergangenheit liegen, leben. Aus ihnen schöpft er Kraft für die Gegenwart und Zuversicht für die Zukunft.

Die hier vorgestellte Tracht wurde erstmalig von meinem Mann und mir am 23./24. Mai 2003 zu den Aussiedler-Kulturtagen in Nürnberg 2003 bei einem festlichen Trachtenumzug und beim anschließenden ökumenischen Gottesdienst in der Paul-Gerhardt-Kirche in Nürnberg- Langwasser getragen. Farbige Abbildungen der Kleidung sind im Wandbildkalender „Integration 2004“ erschienen, herausgegeben vom Historischen Forschungsverein der Deutschen aus Russland. Bestellungen bei Anton Bosch, Schwimbacher Str. 9, 90453 Nürnberg.

Als nächstes möchte ich einen Trachtenverein der Deutschen aus Russland und eine Tanzgruppe gründen. Es gibt auch unter uns emanzipierte Frauen, die sich nicht gern in die globale Hosenkluft stecken lassen. Es gibt sicher auch noch Männer, die auf emanzipierte Frauen mit Rock stehen. Dazu muss es noch möglich werden, Trachten in eigener Fertigung kostengünstiger herzustellen. Sicher finden sich unter unseren Näherinnen Frauen, die bereit wären, sich über Trachtennähkurse auf diesem Gebiet zu spezialisieren. Vielleicht finden sich Gönner und Förderer, die diese Bestrebungen unterstützen, denn ohne Geld lassen sich solche Vorhaben nicht realisieren.

Bei meinen bisherigen Recherchen habe ich zahlreiche Menschen kennen gelernt, Landsleute und Einheimische, die mit viel Zuspruch und tatkräftiger Hilfe mich in meinen Bemühungen bestärkt haben. Ihnen allen danke ich im Namen meiner Landsleute ganz herzlich. Ich danke im voraus für weitere sachdienliche Hinweise und Unterstützung jeder Art. Kontakt unter Tel. 09122/83 95 74.

Das Projekt wurde gefördert vom Haus der Heimat Nürnberg und von Renovabis.

                                     

                                               Lilli Uhlmann,

Mitglied des Historischen Forschungsvereins der Deutschen aus Russland


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Preisverleihung des
Robert Bosch Forums in Berlin

Mit einem Einladungsschreiben der Robert Bosch Stiftung vom 23.05.05 erhielt der „Historische Forschungsverein der Deutschen aus Russland e.V.“(HFDR) eine Mitteilung, dass er von 269 Bewerbungen den 21. Ehrenplatz erhalten hat und am Tag der Preisverleihung, dem 23.06.05, eine entsprechende Ehrenurkunde in der Botschaft der Russischen Föderation in Empfang nehmen kann.
Zum entsprechenden Datum reisten zwei Vertreter des Vereins, Anton Bosch und Erna Malygin nach Berlin.

Die Veranstaltung fand im Säulensaal der Botschaft der Russischen Föderation, „Unter den Linden“ Nr. 35-37 (am Brandenburger Tor) statt. Das Botschaftsgebäude befindet sich direkt hinter dem Adlon-Hotel und ist im Zuckerbäckerstil gebaut worden. Seine Innenräume sind bewundernswert luxuriös und großzügig in bester Qualität ausgerüstet. Bemerkenswert ist auch der Spaskij-Turm mit der Kremlglocke im Großen Glasfenster der Westwand, die viertelstündlich synchron mit der Moskauer Turmuhr die Moskauer Urzeit ankündigt.

Die über ca. 500 Gäste wurden vom Botschafter Kotenjow, der ein akzentfreies Deutsch sprach, und dem Vorsitzenden des Robert Bosch Forums von Studnitz begrüßt. Die Festrede hielt die bekannte Journalistin, Dr.
Gabriele Krone-Schmalz.

Die Veranstaltung, es ist die Vierte, stand diesmal unter dem Motto:
„Verleihung des Förderpreises der Robert Bosch Stiftung für Deutsch-russisches Bürgerengagement“= Wrutschenije premii fonda im. Roberta Boscha za grashdanskuju iniziatiwu w sotrudnitschestwe meshdu Germanijej i Rossijej 2005 g.“

Die Kriterien zu Preisvergabe waren diesmal vielfältiger als zwei Jahre zuvor. Gefragt waren nebst Bürgerengagement vor allem Tugenden wie: Mut, Zivilcourage, Verständigung, Sympathien. Und über allem schwebte das Motto „Frieden ist kein Geschenk, sondern harte Arbeit!“

Von 269 eingereichten Projekten hat die Jury die besten 60 für Auszeichnungen vorgeschlagen, davon erhielten 16 in Russland realisierte Vorhaben Geldprämien in Höhe von 1000 bis 6000 Euro.

Der „Historische Forschungsverein der Deutschen aus Russland e.V.“ erhielt für das in 2004 ausgeführte Projekt „Gedenkstätte Archangelsk“ den Rang 21 und wurde dafür gemeinsam mit dem Partner in Archangelsk mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet.


Das Buffet bot nach russischer gastfreundlicher Art Borschtsch, Pelmani, gepellte Kartoffeln mit Dill, Lachs, Kaviar, Piroshki, Salate, verschiedene Käsesorten, Gemüse, Obst, Rot- und Weißweine und Vieles mehr, auf drei Etagen übereinander aufgetischt.


Die Zweitschrift der Ehrenurkunde wurde inzwischen an die Projektpartner nach Archangelsk geschickt, die die Gedenkstätte am 28. August 2004 eingeweiht hatten und sich verpflichteten, sie für mindestens 50 weitere Jahre zu pflegen.

Bundespräsident Horst Köhler, dessen Eltern Bessarabien-Deutsche waren und bis 1919 zu Russland gehörten, hat als Schirmherr seine schützende Hand über diesem großen Vorhaben des Robert Bosch Forums gehalten.

Anton Bosch


Buch "Wendepunkt in Nordsiebenbürgen"von A.Pintilei und H. Göbbel nach oben

„Punct crucial in Ardealul de Nord – Wendepunkt in Nordsiebenbürgen“

„Hommage an die Siebenbürger Sachsen“ – so beschriebt der Historiker Dr. Michael Kroner das beachtliche geschichtliche Werk über die Evakuierung und Flucht der Nordsiebenbürger Sachsen im Herbst 1944, „Punct crucial in Ardealul de Nord – Wendepunkt in Nordsiebenbürgen“, das im Verlag Haus der Heimat Nürnberg im Herbst 2004 erschien.

 

Autoren sind Alexandru Pintelei, ein junger rumänische Historiker und  Horst Göbbel, Siebenbürger Sachse und Studiendirektor am Hans-Sachs-Gymnasium in Nürnberg, seit Jahrzehnten engagiert im Bereich der Integration von deutschen Aussiedlern aus Osteuropa.

 

Während nach wie vor in der rumänischen Geschichtsschreibung grundsätzlich der wesentliche deutsche Beitrag in der Geschichte Siebenbürgens verschwiegen oder vertuscht, bestenfalls einen wahrheitswidrigen rumänischen Anstrich verpasst bekommt, entspricht die Arbeit von Pintelei den Erwartungen an eine objektive Wiedergabe der Geschehnisse.

Dieses Buch wendet sich - neben allen Interessierten an einer markanten europäischen Kulturlandschaft  - besonders an drei Adressatengruppen:

- an die Nordsiebenbürger Sachsen, die zumindest einen Teil ihres Lebens in Nordsiebenbürgen verbracht haben,

- an deren Nachkommen und

- ganz besonders an die Nachfolger der Siebenbürger Sachsen in Nordsiebenbürgen, d.h. an die jetzigen und künftigen Bewohner deutscher Orte in Nordsiebenbürgen, speziell an die junge Generation von Rumänen, Ungarn u. a.

Von den mehr als 40.000 in 53 nordsiebenbürgischen Orten im Raum Bistritz (34) und Sächsisch Regen (12) sowie weiteren sieben südsiebenbürgischen Gemeinden lebenden Deutschen, deren deutsche Bevölkerung im Herbst 1944 evakuiert wurde, zählt heute die ev. Kirche in der Diaspora noch einige hundert Seelen, vorwiegend alte Menschen bzw. Deutsche in gemischten Familien. Weit mehr als 95% der Siebenbürger Sachsen leben derzeit außerhalb Siebenbürgens.

Der erste Aderlass erfolgte im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg 1939-1945 (gefallene Soldaten, Evakuierte und anschließend im Westen Verbliebene - etwa ¾ - sowie  Soldaten in Kriegsgefangenschaft), der zweite im Gefolge der umfassenden Aussiedlung der Deutschen etwa ab 1969/70 bis ca. 1990/91.

Ziemlich genau 850 Jahre nach ihrer Einwanderung nach Siebenbürgen haben sich die Siebenbürger Sachsen von ihrer jahrhundertealten Heimat verabschiedet, sind größtenteils in ihr Ursprungsland Deutschland heimgekehrt oder sie haben sich in Österreich, in den USA und in Kanada integriert.

Viele Menschen, die heute in den früheren sächsischen Orten Nordsiebenbürgens wohnen, besonders die junge Generation, mag sich wundern, dass es hier vorwiegend im Ortskern eine Architektur gibt, die sich vom sonstigen typisch rumänischen oder ungarischen Ortsgefüge deutlich unterscheidet.  Besonders die völlig anders gebauten ev. Kirchen fallen auf.

Ebenso tauchen möglicherweise auch weitere Fragen auf, die bisher gar nicht, völlig falsch bzw. unzureichend beantwortet wurden. Dazu zählen Fragen zur Einwanderung und zur Auswanderung der Siebenbürger Sachsen, zur politischen, wirtschaftlichen, sozialen Geschichte der jeweiligen nordsiebenbürgischen Orte, Fragen zur ethnischen Zusammensetzung, zum Verhältnis der Deutschen zu ihren siebenbürgischen Nachbarn, Fragen zum zivilisatorischen Beitrag der Deutschen in Siebenbürgen, Fragen zu deren Kulturerbe usw. usf.

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Zentrales Denkmal

„Flucht und Vertreibung“

des Freistaates Bayern in Nürnberg

Die Bayerische Staatsregierung wollte Ende der 90iger Jahre daran erinnern, welches Leid den Flüchtlingen und Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen und deutschbesiedelten Ostgebieten und denen aus Südosteuropa zugefügt worden ist, aber auch an die Aufbauleistung, die sie zusammen mit den Einheimischen erbracht haben, als das Agrarland Bayern von 1945 zu einem hervorragenden Industriestandort umgewandelt wurde. Der erste Schritt  dieser  Würdigung erfolgte  bereits  im Juni 1999, als Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber an hervorragender Stelle in der Staatskanzlei in München eine Gedenktafel „Flucht und Vertreibung“ in einer Feierstunde enthüllte.

Des weiteren sollte in der zweitgrößten Stadt des Freistaates ein zentrales Denkmal „Flucht und Vertreibung“ errichtet werden, zumal Nürnberg als Handelsstadt traditionell viele Verbindungen zu osteuropäischen Ländern hatte. Andrerseits hat sich Nürnberg in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit der Errichtung der „Straße der Menschenrechte“ in der Kartäusergasse und der Verleihung des Menschrechtspreises im zweijährigen Turnus als Stätte der Versöhnung und es Ausgleichs entwickelt. Nachdem die Heimatvertriebenen bereits in ihrer Charta von 1950 auf Rache und Vergeltung verzichtet haben fügt sich die Errichtung dieses Denkmals in die Bemühungen Nürnbergs um die Menschenrechte nahtlos ein. Durch die geographische Nähe mit dem Germanischen Nationalmuseum und der „Menschenrechtsstraße“ wird dies besonders deutlich.

Gedenktafel und Denkmal sollten aus Privatisierungserlösen des Landes Bayern finanziert werden, wofür 800 000 DM zur Verfügung gestellt wurden. Bei einem Ideenwettbewerb wurden 13 Arbeiten eingereicht und eine Gutachterkommission entschied sich für die Idee von Professor Joachim Bandau aus Aachen.

Über den zukünftigen Standort dieser Anlage konnte man sich zunächst nicht einigen. So wünschte sich die Staatsregierung das Denkmal an der zentralsten Stelle der Stadt, auf dem Hauptmarkt. Doch große Teile des Stadtrates von Nürnberg hätten es am liebsten an einer recht unauffälligen Stelle untergebracht. Schließlich einigte man sich darauf, es auf dem Hallplatz, der sich direkt an die Königsstraße anschließt und von dem mächtigen Baukörper der  Mauthalle beherrscht wird, aufzustellen. Nachdem sich der ganze Fußgängerverkehr zwischen Hauptbahnhof und Lorenzkirche hier abwickelt, ist dieser Platz noch mehr frequentiert als der Hauptmarkt.

Mit der Aufstellung dieses Denkmals erfuhr der gesamte Hallplatz eine Neugestaltung. So ist auf der Westseite des Denkmals, das in der Mitte des Hallplatzes steht, eine 4,00 m breite Edelstahlplatte in einem vom übrigen Pflaster abgesetzten Pflasterstreifen eingelassen die sämtliche Vertreibungsgebiete aufzählt:

DEUTSCHBALTEN                                 KARPATENDEUTSCHE

OSTPREUSSEN                                       UNGARNDEUTSCHE

WESTPREUSSEN                                     DONAUSCHWABEN

DEUTSCHE AUS POLEN                        BANATER SCHWABEN

POMMERN                                    SIEBENBURGER SACHSEN

SCHLESIER                                         RUSSLANDDEUTSCHE

SUDETENDEUTSCHE                        ALLE OSTVERTRIEBENEN

Dieser abgesetzte Pflasterstreifen ist ca. 20 m lang und führt zu einem aus massivem Kupfer gefertigten offenen Tor, das 4,00 m breit und 5,00 m hoch ist und 42 Tonnen wiegt. Auf der breiten nördlichen Innenseite des Torrahmens ist folgende Inschrift zu lesen:

 


DEN  DEUTSCHEN  VERTRIEBENEN

ZUR ERINNERUNG  AN  DEPORTATION,

FLUCHT  UND  VERTREIBUNG

ZUM  GEDENKEN  AN  IHRE  HEIMAT

UND  AN  IHRE  TOTEN

ZUM  DANK  FÜR  IHREN  EINSATZ  BEIM

WIEDERAUFBAU  IN  BAYERN

DIE  BAYERISCHE  STAATSREGIERUNG

1999

 

Das offene Tor soll wohl den Durchgang nach beiden Seiten aufzeigen, wobei der eine Durchgang, von der Heimat weg bereits vollzogen werden musste, während der zweite Durchgang, zurück zur Heimat noch als Zukunftsvision angesehen werden muß. Angemerkt soll noch werden, daß die symbolische Straße, wo die Vertreibungsgebiete aufgezählt werden, von Westen her an das Tor geführt wird, obwohl die Flüchtlings- und Vertriebenenströme vom Osten kamen.

Mit der Inschrift im Torinneren wurde zugleich eine Gedenkstätte für die Toten geschaffen, die zum einen während der unseligen Vertreibungen umgekommen sind, zum anderen aber die Möglichkeit bietet auch der Verstorbenen zu gedenken die noch in der Heimaterde ruhen und deren Gräber heute nicht mehr zu finden sind.

 

Bei der Einweihung des Denkmals am 25. November 1999 machte der Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber neben anderen Rednern klar, dass damit ein Ort des Erinnerns und einer gegen das Vergessen geschaffen wurde, aber auch ein Dank an die Vertriebenen für ihre beispiellose Aufbauarbeit nach dem Krieg in Bayern sein soll. Er erinnerte an die vielen Menschenrechtsverletzungen der Deutschen im 2. Weltkrieg, aber  auch  an  die  der  Gegenseite,die wohl als Folge der deutschen Untaten geschehnen sind, aber trotzdem auch Menschenrechtsverletzungen geblieben sind und bleiben. Er wollte dieses Denkmal aber auch als Mahnung für die Zukunft verstanden wissen:

„Und die Zukunft in Europa heißt:

Freiheit – Frieden – Verständigung“.

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Mahnmal

„Heimatvertriebene und Aussiedler“

am Neutorzwinger in Nürnberg


Heimatvertriebenen-Relief am Neutorzwinger

Künstler: Emil Zentgraf und Christoph Lenz (Guss)
Material: Bronze
H: ca. 2,00 m, B: 1,00 m, T: ca. 0,10 m
Anbringung: um 1968

Im Neutorzwinger an der nördlichen Mauerwand ist das Mahnmal für die Heimatvertriebenen angebracht.

Das schlichte, aber aussagekräftige Werk mit dem plastisch angefügten Hinweis "Heimatvertriebene 1945-1949" ist ein in stark simplifiziertem Formenkanon gearbeitetes Flachrelief, das seine Rhythmisierung durch die Umrissbewegung sowie Kopf- bzw. Körperkonturen erfährt.

Abstraktion und Rhythmus verdichten sich hier zu einer konzentriert-überdimensionalen Zeichen- haftigkeit, die das Schicksal der Vertriebenen symbolisiert. Die kubische Detail- wie Gesamtform verdeutlichen das sich gegenseitige zwischen- menschliche Stützen, ungeachtet der Einzel- schicksale und der individuellen Trauer.

Im Detail tauchen bisweilen Einzelthemen wie die Vereinsamung des auf den Stock gestützten  Mannes, die Trauer der verschleierten Frauengestalt oder die Gefangen- schaft des Mannes in Ketten auf.

Auch ein positiver Aspekt ist zu erkennen:
Eine madonnenartige Frau reicht ihrem Kind die Hände oder die Umarmung zweier Gestalten wie sie im mittleren Reliefteil zu beobachten ist. Stilistisch steht das Relief der Münchner Schule um Josef Henselmann nahe.

Der o.g. Text wurde dankenswerter Weise von Bernhard Hebendanz, Hochbauamt der Stadt Nürnberg, Fachbereich Denkmalpflege, dem Buch "Freiplastiken in Nürnberg" v. Elke Masa entnommen.

 

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