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"d.fleiss & east-west artists" - grenzüberschreitender Kulturaustausch
Im Rahmen der Aussiedlerkulturtage der Stadt Nürnberg 2002 konnten zahlreiche Menschen im Haus der Heimat u.a. auch Arbeiten der Sathmarer Schwäbin und Künstlerin Dorothea Fleiss bewundern. Aus dieser ersten Bekanntschaft mit dem Haus der Heimat entsprang das gemeinsame Projekt des Internationalen Symposiums "Flucht und Vertreibung" vom 20. bis 30. April 2003 im Haus der Heimat.
2001 gründeten die Künstlerinnen Dorothea Fleiss, Stuttgart - sie ist herkunftsmäßig Sathmarer Schwäbin - und Karola Teschler, Velbert den internationalen Kunstverein "d.fleiss & east-west artists e.V." in Stuttgart. Zielsetzung des Vereins ist es, gemeinsame Grundstrukturen für die Zusammenarbeit von Künstlern verschiedener Nationalität und historischer Identität zu schaffen, breiten kulturellen Austausch zwischen Künstlern aus dem Osten mit Künstlern aus dem Westen zu fördern.
Nach Symposien in Carei und Satu Mare (Rumänien), in Essen und Velbert (Deutschland) trafen sich die Maler, Bildhauer, Grafiker, Kunstkritiker und Zeitzeugen Mihai Borodi, Dijon, Frankreich, Aurelian Busuioc, Satu-Mare, Rumänien, Christine Delbecq, Dijon, Frankreich, Dorothea Fleiss, Stuttgart, Deutschland, Karin Foerster, Stuttgart, Deutschland, Walter Ibscher, Nürnberg, Deutschland, Ilona Kiss, Budapest, Ungarn, Miklos Klotz, Budapest, Ungarn
Csaba Lázin, Piscolt, Rumänien, Chunhai Li, Beijing, V.R.China
Zhongui LI, Beijing, V.R.China, Serban Rosca, Oradea, Rumänien
Ovidiu Salagean, Oradea, Rumänien, Ion Salisteanu, Bukarest, Rumänien
Laurette Wittner, Lyon, Frankreich, Linhong Zhao, Salzburg, Österreich
vom 20. bis 30. April 2003 im Haus der Heimat, um das komplexe Thema "Flucht und Vertreibung" künstlerisch zu behandeln.
Horst Göbbel
Montag, 21.April 2003: Empfang der Künstler im HdH.
Der Vorsitzende des Vereins, Hort Göbbel begrüßte die Gäste und referierte zum Thema "Flucht und Vertreibung". Mit Dorothea Fleiss gab es noch Details zum Katalog zu diskutieren. Zwei Räume des HdH wurden den Künstlern als Ateliers zur Verfügung gestellt, ein dritter wurde zum Essen verwendet. Gekocht wurde grundsätzlich von Ehrenamtlichen der verschiedenen Landsmannschaften. Anna Steinbinder, Landsmannschaft der Sathmarer Schwaben war täglich in der Küche und kochte oder spülte Geschirr, half den jeweiligen Köchinnen und besorgte einen Großteil der Einkäufe. So auch am Montag, als sie mit Klara Fischer und Margarethe Zigli die Gäste bewirtete. Walter Ibscher, Künstler und Zeitzeuge der Flucht und Vertreibung, begleitete das Symposium mit großer Freude und Anerkennung für die im HdH entstehenden Kunstwerke. Als Förderer des Symposiums waren Werner und Christine Henning beim Empfang sehr geschätzte Gäste, bei denen sich Herr Göbbel im Namen des HdH und der Künstler bedankte.
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Förderer des Symposiums:
Haus des Deutschen Ostens München
Stadt Nürnberg
Sparkasse Nürnberg
Fa. Werner Henning Heizungs- und Sanitäranlagen, Nürnberg
FBS Franconia Business Service GmbH - Michael Weihrauch
Dr. Reinhardt Göbbel, München-Salzburg
Landsmannschaft der Sathmarer Schwaben, Nürnberg
Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen, Nürnberg-Fürth-Erlangen
Müller Medien, Nürnberg
Metzgerei Josef Maurer, Nürnberg
Druckerei Theodor Schobert, Nürnberg
Dienstag - Mittwoch, 22.-23. April 2003
Die Künstler arbeiteten in einer entspannten und kollegialen Atmosphäre. Die Geschäftsleitung des Hauses der Heimat hatte zu diesem Zweck den Termin des Symposiums in den Ferien gewählt und fast alle anderen noch anstehenden Veranstaltungen verschoben. Die intensive Arbeit der Künstler und die Vorbereitung des Katalogs durch den Vorsitzenden Horst Göbbel, der die Texte in Form brachte und danach ins Englische übersetzte, wobei Doris Hutter zuständig für die begleitenden Fotos war, wurde einige Male durch ein fernöstliches Entspannungsturnen unterbrochen. Li Zhonggui führte die Bewegungswilligen bei herrlichem Wetter auf dem Rasen unter der Eiche zur gewünschten Entspannung. Gekocht und serviert wurde am Dienstag von Dorothea Walter, die Unterstützung von Hilde Penner bekam. Beide Damen sind Deutsche aus Russland. Am Mittwoch kochten Anna Steinbinder und Doris Hutter, Sathmar bzw. Siebenbürgen. Bei Tisch war immer gute Stimmung: das Menu abwechslungsreich und die Gäste sehr dankbar.
Donnerstag - Freitag, 24. - 25. April 2003
Auf Einladung des in Nürnberg wohnenden Walter Ibscher wurde nach einem arbeitsreichen Tag dessen Haus und Atelier besucht. Es wurde ein besonderes Erlebnis. Der Künstler Ibscher führte mit großer Leidenschaft einen Teil seiner Kunstwerke sowie seinen historischen Keller vor. Die Künstler zeigten sich sehr beeindruckt. Der Ausflug endete dadurch mit einem recht späten aber schmackhaften Abendessen der Köche Olga Vetter (Deutsche aus Russland) und Horst Köppel (Nürnberg).
Das ehrenamtliche Kochen wurde von den drei chinesischen Künstlern weitergeführt: gemeinsam kochten sie am Freitag zu Mittag u. a. eine echte chinesische Suppe und Reis mit Hühnchen und viel Gemüse. Wie man die Stäbchen dabei verwendet, wurde so professionell vermittelt, dass die ganze Runde damit zurechtkam. Zum Tag der offenen Tür erschienen die Gäste schon vor 17 Uhr. Sie wurden von der Vielfalt der Techniken überrascht. Li Zhonggui malte für einige Kinder deren Namen in chinesischen Schriftzeichen, Li Chunhai malte das Wort "Musik" und dazu ein ganzes Gedicht über Musik in den alten chinesischen Schriftzeichen. Nachher gingen sie in die Küche und bereiteten das Abendessen vor: u. a. Frühlingsrollen. Dabei führten sie vor, wie man den Teig für die Rollen richtig zuklebt. Nach dem Essen wurde wie immer erst im Haus der Heimat zusammen gesessen und nachts im Hotel weitergefeiert.
Samstag - Sonntag, 26.-27. April 2003
Die letzten Fotos (von im Haus der Heimat entstandenen Kunstwerken) für den Katalog wurden von Horst Göbbel im Haus der Heimat abgeholt, um sie in die Druckerei zu fahren. Der Vorsitzende des HdH nahm sich noch die Zeit, den Künstlern anhand eines Videos eine kleine Einführung zum Dokumentationszentrum zu bieten und fuhr einige Neugierige zum Reichsparteitagsgelände. Anschließend erlebten die Künstler mit Doris Hutter das Dokumentationszentrum "Faszination und Gewalt", während in der Druckerei Schobert Gerhard Adam mit seinen Mitarbeitern auf Hochtouren den letzten Teil des Katalogs fertigte, damit er termingerecht am Dienstag zur Ausstellungseröffnung zur Verfügung stehen konnte.
Das Treffen mit Nürnberger Künstlern und Studenten begann 17 Uhr mit dem Vorführen einiger Techniken durch die Künstler. Vor und nach der Vorstellungsrunde ergaben sich anregende Gespräche, die in einem gemütlichen Abend ausklangen. Das Abendessen bekam durch das Mitwirken von Christine Delbecq eine französische Note. Nachts erarbeiteten Karin Foerster und Doris Hutter die Mappe für die Pressekonferenz am Montag.
Sonntags erkundeten die Künstler auf eigene Faust die Altstadt Nürnberg, besuchten Bekannte, arbeiteten oder ruhten sich einfach aus. Das Essen wurde von der Zipserin Anna Kreiter, LM der Sathmarer Schwaben, zubereitet.
Ausstellung im Alten Rathaus Nürnberg, Ehrenhalle
Am Montag, dem 28. April 2003 wurde die Ausstellung "Flucht und Vertreibung" in der Ehrenhalle des Rathauses eingerichtet. Zum Ausklang gab es für die Künstlergruppe einen Besuch der Altstadt und des Museums für moderne Kunst.
Für Dienstag, dem 29. April 2003, 11 Uhr war die Pressekonferenz anberaumt.
Die Ausstellungseröffnung ab 18:30 Uhr wurde musikalisch vom Fagott-Duo Angelica Zingerle und Ingrid Hutter eingeleitet. Es sprachen der Vorsitzende des Hauses der Heimat, Horst Göbbel, die Kulturreferentin der Stadt Nürnberg, Prof. Dr. Julia Lehner, Staatssekretär Karl Freller, der Kunsthistoriker Dr. Claus Pese vom Germanischen Nationalmuseum sowie Künstler und Zeitzeuge Walter Ibscher und Dorothea Fleiss, die Leiterin der Künstlergruppe.
In seiner Begrüßung, die teilweise in 5 Sprachen erfolgte, dankte Horst Göbbel u. a. den Sponsoren des Projektes. Er betonte, dass Flucht und Vertreibung der Deutschen nach 1945 Teil eines uralten historischen Phänomens von erzwungenen Bevölkerungsverschiebungen sind. Das 20. Jahrhundert wird von verschiedenen Fachleuten auch als das Jahrhundert der Vertreibungen beschrieben. Armenier, Türken, Griechen, Polen, Juden, Deutsche, zahlreiche Afrikaner oder Asiaten, Palästinenser, Kosovo-Albaner, Kurden gehören zu den Opfern. Deportation und Vertreibung werden im Völkerrecht seit dem Nürnberger Kriegsverbrecherprozess 1945/46 als Verbrechen gegen die Menschlichkeit angesehen.
Wie in der Ausstellung und im Katalog deutlich zu erkennen, sind die Annäherungsversuche der Künstlerinnen und Künstler an dieses schwierige Thema meisterhaft gelungen. Es entstanden wertvolle Arbeiten für eine geglückte Ausstellung und einen aussagekräftigen Katalog, der über das Haus der Heimat bezogen werden kann.
Während der folgenden Tage konnte die Ausstellung unter Aufsicht der Helferinnen Elisabeth Toma, Gertrud Guni und Lydia Pastarnak betrachtet werden.
Eine nochmalige Gelegenheit zur Besichtigung der entstandenen Werke bieten die Aussiedlerkulturtage:
23. Mai 2003 im Haus der Heimat
24. Mai 2003 im Gemeinschaftshaus Nürnberg-Langwasser.
Anschließend werden die Kunstwerke in einer Wanderausstellung präsentiert.
Doris Hutter / Horst Göbbel
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